Internet ist toll. Ich surfe gern, liebe online-shopping in jedweder Form, bin auf verschiedenen Webseiten registriert, schreibe in Foren, kommentiere Blogs und hab sogar selbst eins. Aber der Sinn, Zweck und Nutzen von Facebook will sich mir einfach nicht erschließen.
Schon der Slogan der Webseite rollt mir die Fußnägel auf:
Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.
Öhm, toll. Ich kann mit Menschen in meinem Leben in Verbindung treten. Über Facebook. Menschen in meinem Leben. Das heißt, die sind schon da. In meinem Leben. Und es hat wohl einen Grund, dass sie da sind. Und auch vorher schon da waren. Vor bzw. ohne Facebook.
In Verbindung treten. Von den Menschen in meinem Leben hab ich schon etwas mehr Infos, als den link zu ihrem Facebook-Account. Ich kann sie auf jede erdenkliche Weise kontaktieren und mich einfach in der realen Welt mit ihnen treffen. Und dann soll kann ich Inhalte teilen. Is ja doll. Da kann ich also meinen Facebook-Kontakten (so heißt das, glaub ich) so unglaublich wichtige Dinge mitteilen wie dass ich grad auf den Bus warte und es irre kalt ist draußen und ich dummerweise meine Handschuhe vergessen habe (als ob das irgend jemanden interessieren würde), kann Mitglied in unglaublich vielen Gruppen werden, die allesamt unglaubliche Namen tragen, kann zu meinem bereits vorher mitgeteilten Jahresurlaub für alle meine Kontakte sichtbar meine Urlaubsfotos ins Netz stellen und noch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch wünschen.
Ernsthaft: Etwas Unpersönlicheres fällt mir nicht ein. Vor Facebook gab es Rundmails, die ich genauso abartig fand, besonders wenn die sichtbare Empfängerliste länger war als die eigentliche Mail. Da fühlte man sich so richtig wertgeschätzt.
Und genau das ist der Punkt: Ich will Exclusivität! Ich will Zeit kosten! Ich will, dass sich die Menschen in meinem Leben Gedanken machen und mich in einer especially-for-you-Mail persönlich ansprechen und mich nicht in einem “Hallo ihr” identifizieren müssen, das an alle 356 Facebook-Kontakte gerichtet ist. Oder dass sie so ganz altmodische Dinge tun wie eine Grußkarte schreiben. Eine aus Karton, keine virtuelle.
Viele Facebook-Nutzer behaupten ja gern, dass es sooo praktisch sei und sie sonst gar keine Zeit hätten, ihre Kontakte zu pflegen oder mal ein Lebenszeichen von sich zu geben. Auch unter den Menschen in meinem Leben befinden sich solche Exemplare. Und es ist wunderbar, wenn sie sich die Zeit nehmen und mich anrufen oder mir eine especially-for-you-Mail schreiben. Ganz persönlich. Ganz exclusiv. Weil ich eben nicht bei Facebook bin.